Erste Reise vom 18.01. -- 25.01.03, zu den Gemeinden in Asien
Zweite Reise vom 29.03. -- 05.04.03 siehe Offbg. 1, 1
Als meine Frau hörte, dass ich einen Reisebericht abliefern" soll, sagte sie zu mir; "Ach, die sind doch meist langweilig, die man so liest." Ich möchte Sie mit meinem Reisebericht anstecken, dieses Land selbst einmal zu bereisen. Eine Reise dorthin ist in der Nachsaison tatsächlich noch erschwinglich (dies ist natürlich relativ) obwohl die Türkei gar nicht so weit" von uns entfernt ist, ist sie dennoch ein ganz geheimnisvolles fremdes Land für uns. Und dies, obgleich so viele Türken in Deutschland leben.
Innerhalb von nur 10 Wochen durfte ich diese Reise - Die sieben Sendschreiben der Offenbarung; eine 8-tägige Reise zu den Städten des Frühchristentums - zwei Mal erleben,
Steigen Sie ein, schließen Sie die Augen und heben Sie mit mir ab, zu einem Flug von Düsseldorf nach Izmir, dem früheren Smyrna.
Neben mir im Flugzeug saß ein älteres türkisches Ehepaar, Er sprach, obwohl schon 30 Jahre in Deutschland lebend, sehr schlecht deutsch. Er zeigte mir voller Stolz mehr als nur einmal seine goldene Uhr, die derjenige bekommt, der 25 Jahre unter Tage bei der RAG (Ruhr Kohle AG) gearbeitet hat. Da er unter Tage nahezu nur mit Landsleuten zusammenarbeitete, hatte er wenig Gelegenheit deutsch zu lernen. Aber die Uhr, immer wieder musste ich die Uhr anschauen.
Dieser Winter war kälter als gewöhnlich, auch hatten wir in der Zeit verhältnismäßig viel Regen, bzw. Schauer. Am Sonntag besuchten wir die All Saints" Kirche, eine ehemals Britisch-Protestantische Kirche, jetzt Heimat der Freien Protestantischen Gemeinde (Baptisten) in Izmir. Wir waren keine Reisegruppe im herkömmlichen Sinne, sondern Einzelreisende" ohne Leiter, dennoch fand sich jedes Mal eine Person (immer ein Pastor), der einige Worte zur türkischen Gemeinde sprach. Interessanterweise wurde beide Male erwähnt, dass, obwohl wir noch am Beginn unserer Reise standen, dieser Besuch ein Höhepunkt darstelle. Jedes Mal sangen wir der Gemeinde ein Lied vor, u. a.: Jesu geh voran. Dieses Gebäude wurde in der Vergangenheit auch schon als Tanzlokal und Standesamt benutzt.
Wir bereisten in der Hauptsache das Ägäisgebiet mit Izmir, als der drittgrößten Stadt der Türkei mit drei Mio.. Einwohnern.
Was sahen wir? Eine sehr hügelige Gegend mit hohen Bergen (Taurus Gebirge), z.T.. schneebedeckt. Und dann immer wieder das türkisfarbene Meer, einfach gebaute Häuser, noch jede Menge Traktoren, selbst in den Großstädten. Viele Hirten mit ihren Ziegen- und Schafherden. Manchmal auch eine Bäuerin, die am Straßenrand ihre Kuh hütete,
Unsere Gruppe war 20 Mann" stark, Sie bestand eilst ausschließlich aus Pfarrern/innen und deren Ehepartnern. Ich selbst war zu Beginn recht wenig an den Altertümern interessiert, sondern mehr an den Menschen und natürlich auch an dem Land. Da wir einen hochkarätigen Reiseführer hatten, war es niemals langweilig, sondern immer spannend und hochinteressant. Wenn ich heute in meiner Bibel lese, vor allen Dingen die Apostelgeschichte, die Paulinischen Briefe und die Offenbarung, kann ich mir manches viel besser vorstellen, weil ich die Städte und Gegenden selbst bereist habe. Und wenn ich dann noch den gleichen Weg durch Ephesus gegangen bin wie seinerzeit der Apostel Paulus, dann ist dies Geschichte pur. Jedes Mal, wenn wir eine der 7 Sendsehreibengemeinden besuchten, haben wir den entsprechenden biblischen Text gelesen. Meistens saßen wir dann auf den Jahrtausendalten Stufen der jeweiligen Theater. In Ephesus haben wir zusätzlich noch aus Apg. 19 ab Vers 23 den Aufruhr der Epheser gelesen, der ja im Ausruf , Groß ist die Diana der Epheser!" gipfelte.
Das war schon bewegend. Bedenken Sie auch, dass Mysien, Pamphylien, Phrygien, Bithynien, Pisidien, Ikonikon, Listra, Antiochia, Lydien, Lykien, Cilicien, Galatien, Kappadokien, Hierapolis, der Ararat mit der Arche Noah, und, und, und alles Landstriche und Gegenden sind, die in der Bibel erwähnt werden und allesamt in der Türkei liegen. Damit ist die Türkei das Land der Bibel gleich nach dem heiligen Land" Israel.
Wir hatten zu dieser Zeit die antiken Stätte nahezu für uns alleine, da es noch früh im Jahr war. In den Monaten danach erlebt man dann wahre Touristenströme aus allen Erdteilen. Auch für ältere Menschen waren die Sehenswürdigkeiten noch recht gut zu begehen, Oftmals wurden wir von Scharen herrenloser Katzen und Hunde begleitet. An den Eingängen zu den antiken Stätten wurden wir von den Souvenirverkäufern belagert und beim Zurückkommen teilweise,' bis in den Bus hinein, von ihnen verfolgt. Jeder wollte unbedingt etwas verkaufen. Und alle sprachen deutsch.
Auf unserem Programm stand auch der Besuch einer der größten Fachschulen für die Teppichknüpfkunst des Nahen Ostens. Großartig, was uns hier geboten wurde. Wir tauchten in eine Wunderwelt aus Farben, Formen und Knoten ein. Schließlich bestimmt in erster Linie die Knotenanzahl den Preis des Teppichs. Also, wenn Sie in der Türkei sind, ist ein Besuch ein unbedingtes Muss. Wir konnten den kompletten Lauf eines Teppichs verfolgen. Absolut sehenswert!
Für mich war ein Basar immer ein Erlebnis. Wir konnten den von lzmir und Ephesus besuchen, Hier fing tatsächlich 1001 Nacht an. Gewaltig von den Ausmaßen, beeindruckend vom Warenangebot, betörend von den Duften, eine Weh für sich. Im großen Basar von Izmir habe ich mich regelrecht verlaufen. Immer weiter, immer tiefer hinein, bis ich total die Orientierung verloren hatte, Es war alles so interessant. Hier hatte ich mich tagelang herumtreiben können. Mehrmals fragte ich mich durch. Mit großer Mühe fand ich wieder aus dem Labyrinth heraus. Manch türkischer Händler sprach deutsch. Einer lockte mich doch in seinen Laden und wollte mir unbedingt was verkaufen. Hier bekam ich es tatsächlich einmal mit der Angst zu tun, als mich der Inhaber immer höher hinauf in seinen wundersamen Laden schleppte. Auf schmalen Eisenstiegen ging es von Stockwerk zu Stockwerk. Er bot mir dies und jenes an, aber immer sagte ich: Nein, das brauche ich nicht, oder aber, das gefällt mir nicht." Da durch den Irak-Konflikt die Touristen ausblieben, mussten die wenigen Besucher eben noch mehr bearbeitet werden. Vor allen Dingen befürchtete ich, nicht mehr rechtzeitig zum Bus zu kommen, Man muss unbedingt N e i n sagen können. Etliche aus unserer Gruppe kauften sich Lederbekleidung. Und da einige wussten, dass ich aus dem Qualitätswesen komme, zeigten sie mir im Bus ihre Ware, um von mir zu erfahren, ob sie einen guten Kauf getätigt hatten. Nachdem ich die Ware begutachtet hatte und den Preis erfuhr, konnte ich den Käufern sagen: Ja, Preis und Qualität gehen in Ordnung. Ich selbst bin ein großer Freund des Handelns. Schon deshalb gefällt mir der Orient sehr gut. Und Sie müssen auch unbedingt handeln, um Ihr Schnäppchen zu machen. Übrigens, auch im Teppichknüpfzentrum wurde gehandelt. In jeder Gruppe waren einige Gäste, die vor Ort ihren Teppich ausgesucht hatten, ihn auf der Rückseite signierten und der ihnen dann nach Deutschland zugeschickt wurde. In den Städten an den Hauptstraßen sieht man in großer Zahl Schuhputzer.
Als wir an einem späten Nachmittag ein altes türkisches Dorf besuchten, kamen aus den umliegenden Feldern die Einwohner gerade von der Olivenernte zurück, auf Eseln reitend, auf Motorrädern, auf Motorrädern mit Beiwagen. Die Meisten jedoch auf Hängern sitzend, die von Traktoren gezogen wurden. Einige Frauen waren verschleiert. Die Straßen innerhalb des Dorfes waren schlechter als der schlechteste Feldweg in Deutschland. Während nahezu alle aus unserer Truppe sich touristenmäßig verhielten (einkehrten und Kaffee tranken) ging ich die schmalen, steilen Wege hoch, um zu sehen und zu lernen: Wie leben die Menschen hier? Vor einem Haus traf ich auf einen Großvater mit seinem Enkel. Ich begrüßte beide per Handschlag. Der kleine Knirps fing plötzlich an zu weinen. Obwohl keiner den anderen verstehen konnte, kommunizierten wir auf unsere Weise. Ich besah mir im Stall nebenan seine Ziegen an. Ich versuchte ihm zu verdeutlichen, dass mir die Rasse gefällt. Zum Abschluss wünschte ich dem alten Mann Alles Gute" und machte mich weiter auf meinen Weg der Verständigung.
Vereinzelt sah ich Frauen, teilweise schon sehr betagt, vornüber gebeugt mit großen Mengen Reisig auf dem Rücken. Auch hier eine fremde Welt.
Natürlich waren wir auch in Pamukkale, was Baumwollschlösschen" bedeutet. Das einmalige Naturwunder mit den weißglänzenden Kalksinterterrassen, seit ich selbst dort war, sehe ich jede Woche mehrmals Türkeiwerbung mit Pamukkale und kann jetzt sagen: Alles schon gesehen. Ja, kein Türkeibesuch ohne nicht auch in Pamukkale gewesen zu sein. Allerdings stehen hier auf dem Parkplatz in der Hochsaison bis zu 55 Reisebusse. Unser Reiseführer schärfte uns ein, eine Studienreise nicht während der Sommermonate zu unternehmen! Es ist viel zu heiß während dieser Zeit.
So, ganz langsam muss ich einen Schluss finden. Allein meine Eindrücke, Gespräche, usw. von 2 x 8 Tagen ergäben Stoff, für ein mitteldickes Buch.
Die Türkei sollte man selbst erlebt haben. Allerdings nicht als Pauschalurlauber, sondern als Teilnehmer an einer Studienreise.
Bei meinem letzten Türkeibesuch hätte ich um Haaresbreite meinen Flieger nach Deutschland versäumt, so vertieft war ich am Flughafen in ein Gespräch mit einer türkischen Verkäuferin. Die Firma Passion und Reisen, mit der' ich unterwegs war, bekommt von mir für jede Reise die Note E i n s. So Gott will, darf ich noch ein- oder auch mehrere Male die Türkei bereisen, Ich habe noch lange nicht genug davon. Holen auch Sie sich Ihre Eindrücke aus erster Hand vor Ort. Vielleicht haben Sie ja Lust, mir eine Ansichtskarte von Ihrer Reise zu senden!
Fast hätte ich es vergessen: lm Flughafengebäude von Izmir sprach ich einen Türken an, der ebenfalls nach Düsseldorf fliegen wollte, um ihn nach der Uhrzeit zu fragen. Er nannte mir die Uhrzeit und zeigte mir voller Stolz seine goldene Uhr, die nur der bekommt Sie wissen schon Was für ein Zufall!!? Übrigens: 1.600000 11, (Türkische Lira) entsprechen dem Wert eines Euro. Selbst unsere Akademiker hatten ihre Probleme mit den vielen Nullen beim Einkaufen. Und manch einer kam in den ersten beiden Tagen gar nicht klar mit den Banknoten. Auf meiner Rundreise konnte ich, außer im Basar von Ephesus, nahezu überall mit Euro bezahlen. Nehmen Sie sich also Euro/Cent mit. Sie brauchen auch etwas Hartgeld für die Toilettenbenutzung.
Aufwachen? Wir sind zurück in Düsseldorf Sie können die Augen wieder öffnen.
Nachdem ich zu Hause angekommen war und meiner Frau so begeistert von meinen Reiseerlebnissen berichtet hatte, sagte sie zu mir: Du hast in der Türkei mehr Freunde als in Deutschland." Eins steht auf alle Fälle fest. Die Türken sind sehr freundlich und überaus gastfrei.
Jetzt fällt mir noch etwas ein: Da ich gerne Fisch esse, hin ich sowohl bei der ersten, als auch bei der zweiten Reise mit der Gruppe mittags in ein Restaurant (20 Mt. vom Meer gelegen) eingekehrt. Als ich beim zweiten Mal bezahlen wollte, deutete der Inhaber mit seinen beiden Zeigefingern auf seine Augen, Ich fragte unseren Führer nach der Bewandtnis. 'Er sagte mir: Das heißt: Ich habe dich wiedererkannt, du bist mein Freund, du bist eingeladen und dieses Essen kostet dich nichts?!!?"
Auf Wiedersehen heißt: Allaha ismarladik und man erwidert darauf Güte güle. Merhaba heißt: Guten Tag oder Willkommen.
Zusammengestellt hat dies hier Sie: Berthold Schwarz, 57589 Pracht
Die Firma Passion Reisen hat in ihrer Werbung nicht zu viel versprochen, Es gab wenig Kritik, dafür viel Lob.